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26.09.2006

„Eine hundertprozentige Energiewende ist möglich“

Auf einer Fachtagung in Pulheim bei Köln haben sich Umweltorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund (NABU), Greenpeace und Robin Wood für einen prinzipiellen Ausstieg aus der Verwendung von Braunkohle zur Energiegewinnung ausgesprochen. Stattdessen solle komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dagegen sprach sich Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) auf der Belegschaftsversammlung der Zeche West im niederrheinischen Kamp-Lintfort am Sonntag für die weitere Nutzung der heimischen Steinkohle über das Jahr 2018 hinaus aus.

Die Fachtagung der Umweltschutzverbände stand unter der Schirmherrschaft des Bestsellerautors Frank Schätzing („Der Schwarm“), der in seinem Grußwort an die Tagungsteilnehmer darauf verwies, dass es einer Energiereform schon lange bedürfe. Die Gewinnung und Nutzung von Braunkohle sei in Ost und West mit gravierenden negativen Folgen verbunden, hieß es auf der Fachtagung weiter. Tausende Menschen würden ihrer Heimat beraubt, Natur und Landschaft zerstört, der Gewässerhaushalt geschädigt, das Klima angeheizt. Dabei gebe es längst Alternativen. Auch ohne Atomkraft und Kohlestrom könnten die Energieversorgung dauerhaft gesichert und zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden. 

Eine Wende weg von der Braunkohle und hin zu erneuerbaren Energien forderte auch der Publizist Dr. Franz Alt: „Eine hundertprozentige Energiewende ist möglich“, betonte er. Alle Planungen zum Bau neuer Braunkohlekraftwerke müssten daher beendet und die Braunkohlegewinnung gestoppt werden. „Ein Neubau herkömmlicher Großkraftwerke würde den Wechsel zu erneuerbaren Energien um Jahrzehnte aufschieben“, kritisierte der Träger des Alternativen Nobelpreises und Präsident von EUROSOLAR, Hermann Scheer.

Der Einladung des Aktionsbündnisses „Zukunft statt Braunkohle“ waren ingesamt 450 Teilnehmer gefolgt. Neben dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace und EUROSOLAR gehören dem Aktionsbündnis alle großen deutschen Umweltverbände (u.a. NABU, Robin Wood, Grüne Liga) sowie zahlreiche lokale Bürgerinitiativen an. Das Aktionsbündnis repräsentiere etwa zwei Millionen Mitglieder und Förderer, so der BUND-Landesverband Nordrhein-Westfalen in einer Pressemitteilung.

In einem abschließenden „Pulheimer Manifest“ forderten die Tagungsteilnehmer deshalb, alle Planungen zum Bau neuer Braunkohlekraftwerke zu beenden und die Förderung der Braunkohle zu stoppen. Die Umstellung auf erneuerbare Energien schütze nicht nur die Umwelt, sondern schaffe auch Arbeitsplätze. Vorstellbar zur Sicherung der Stromversorgung sei ein Mix aus der Nutzung von Sonne Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie so die Tagungsteilnehmer. Außerdem müssten Einsparpotenziale realisiert werden.

Für für die weitere Nutzung der heimischen Steinkohle über das Jahr 2018 hinaus hat sich dagegen am Sonntag auf einer Belegschaftsversammlung der Zeche West im niederrheinischen Kamp-Lintfort Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ausgesprochen. Das gebe Sicherheit in der Energieversorgung, sagte er. Müntefering betonte, dass die Zusagen für die Fördergelder bis 2012 gelten und auch die Zuwendungsbescheide bis 2008 rechtsverbindlich seien. Die nächsten Bescheide seien bald fällig, damit bei der Steinkohle Sicherheit herrsche.

Quelle: dpa, verivox

  

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