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27.10.2012

Neues Institut für Energieeffizienz in der Produktion gegründet

Die nachhaltige Energiewende in Deutschland wird nur erfolgreich umsetzbar sein, wenn es gelingt, Wohlstand und ökonomisches Wachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln. Dazu muss die Energieeffizienz in der Produktion von Maschinen, Anlagen und Gütern massiv verbessert werden, denn die produzierende Industrie verbraucht in Deutschland ein Drittel der Gesamtenergie. Viel Forschung ist hier noch zu leisten. Die Heinz und Heide Dürr Stiftung und die Karl Schlecht Stiftung haben daher Mittel für ein Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) an der Universität Stuttgart bereitgestellt.

Die Gründung des Instituts am 1. Oktober 2012 erfolgte in enger Kooperation mit Prof. Thomas Bauernhansl, dem Leiter des Instituts für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktion und Automatisierung (IPA). Beide Stiftungen übernehmen für fünf Jahre die Grundfinanzierung mit jährlich 250.000 Euro, insgesamt also mit 2,5 Millionen Euro. Damit unterstützen die beiden Stifter Heinz Dürr und Karl Schlecht die Universität Stuttgart nachhaltig. 

Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel dankte den Stiftern für ihr gesellschaftliches Engagement: „Das Institut für Energieeffizienz in der Produktion wird langfristig arbeiten können und einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Deutschland leisten. Wir freuen uns, dass mit diesem Stiftungsinstitut ein zentraler Forschungsschwerpunkt an der Universität Stuttgart ausgebaut wird, der Lösungsansätze für die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft bietet.“

„Wir sind der Auffassung, dass für eine erfolgreiche Energiewende neben dem Ausbau regenerativer Energiequellen und der Dezentralisierung der Energieerzeugung insbesondere die massive Verbesserung der Energieeffizienz im Zentrum stehen muss“, so Heinz Dürr für die beiden Stifter. „Doch letzteres wird bisher noch stiefmütterlich behandelt. Das hängt auch damit zusammen, dass bislang in der Energiepolitik die Angebotsseite weit mehr diskutiert und gefördert wurde als die Nachfrageseite. Wir freuen uns deshalb, dass die Universität Stuttgart ein Institut für Energieeffizienz in der Produktion gegründet hat, das mit einer Projektgruppe des Fraunhofer IPA eng zusammen arbeiten wird.“ 

Das Institut hat neben einschlägiger Grundlagenforschung die Aufgabe, die Politik auf Bundes- und Europaebene zu beraten. Es wird daher regelmäßig Reports zum Stand der Energiewende mit dem Fokus auf Energieeffizienz in der Industrie veröffentlichen, nach dem Vorbild des ifo Geschäftsklimaindex. Unterschiedliche Veranstaltungsformate des Instituts sollen das Thema permanent in der öffentlichen und politischen Diskussion halten. Außerdem werden traditionelle und moderne Marketinginstrumente wie Social Media die Ergebnisse schnell und zielgruppengerecht kommunizieren.

Das Institut soll für die unterschiedlichen Industrien bzw. Branchen in Deutschland gemeinsam mit anderen universitären und außeruniversitären (Fraunhofer-)Forschungsinstituten langfristige Technologie-Roadmaps entwickeln. Sie werden den Geldgebern von Forschungsinitiativen, beispielsweise der EU, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) und der Großindustrie Anhaltspunkte für sinnvolle Initiativen geben. Andererseits bilden diese Roadmaps die Basis für eigene Forschungsvorhaben, die gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten sowie Industriepartnern umgesetzt werden.

Lehrveranstaltungen an der Universität Stuttgart werden die Studierenden für das Thema Energieeffizienz sensibilisieren und nachhaltig aktivieren. Neben Vorlesungen, Übungen und Praktika werden Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionsvorhaben durchgeführt. Zusätzlich sollen sogenannte Summer Schools auch international Wirkung erzielen. Neben der Verleihung von Preisen für herausragende Doktor-, Diplom- und Masterarbeiten ist auch die öffentlichkeitswirksame Vergabe von Preisen für besondere Leistungen bei der nachhaltigen Steigerung von Energieeffizienz in der Produktion geplant. 

Für das Institut für Energieeffizienz in der Produktion wird ein Beirat gegründet, der sich aus Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildnern der Politik, Gesellschaft und Industrie zusammensetzt. Dieser Beirat hat die Aufgabe, das Institut bei strategischen Fragestellungen und in der Kommunikation zu unterstützen. Dem Institutsbeirat gehören Persönlichkeiten an wie Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Umweltminister, UNO-Beauftragter für Umweltschutz und Leiter des Instituts für Klimawandel Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) in Potsdam, Stephan Kohler, Leiter der Deutschen Energie-Agentur DENA, Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft und Dr. Carsten Rolle, Abteilungsleiter Energiepolitik, Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI). 

„Das Stiftungs-Institut EEP hat Vorbildcharakter“, so Prof. Bauernhansl. „Wir müssen in der Forschung und Lehre zukünftig noch enger mit der Industrie zusammenarbeiten, um mit unserer wissenschaftlichen Expertise den Wirtschaftsstandort Deutschland effektiv stärken zu können. Mit seinem Fokus auf Aufklärung und Beratung im gesellschaftlich brisanten Themenfeld Energie beschreitet das EEP ebenfalls neue Wege. Wir freuen uns auf den Dialog mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.“ 

Das neue Universitätsinstitut (www.eep.uni-stuttgart.de) ist an der Fakultät für Energie-, Verfahrens- und Biotechnik (Fakultät 4) der Universität Stuttgart angesiedelt, arbeitet jedoch fakultätsübergreifend. Prof. Bauernhansl fungiert als Gründungsdirektor, bis innerhalb eines Jahres die Berufung eines neuen Professors erfolgt ist. 

Quelle: Universität Stuttgart


  

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