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27.04.2006

Der Klimawandel wird vor Deutschland nicht Halt machen

Bis 2100 könnte die durchschnittliche Jahrestemperatur in einigen Regionen Deutschlands um bis zu 4 Grad Celsius (°C) höher liegen als im vergangenen Jahrhundert. Dies zeigen aktuelle und detaillierte Modellrechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) für das Umweltbundesamt (UBA). „Erstmals haben wir eine genauere Vorstellung davon, wie und wo sich der Klimawandel in Deutschland auswirkt“, erklärte dazu UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge.

Erstmals gelang es MPI-M und UBA, flächendeckend für Deutschland hoch aufgelöste Daten zu künftigen Klimaentwicklungen vorzulegen. Das vom MPI-M entwickelte Regionalmodell REMO hat eine Auflösung von zehn mal zehn Kilometern. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Detailberechnungen:

Die Jahresmitteltemperaturen in Deutschland könnten bis 2100 im Vergleich zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts um 2,5 bis 3,5 °C – abhängig von der Höhe der zukünftigen Treibhausgasemissionen – steigen. Mit mehr als 4 °C fällt die Erwärmung im Winter in Süd- und Südost-Deutschland besonders stark aus. Im Sommer könnten die Niederschläge in Süd-, Südwest- und Nordostdeutschland bis zu 30 Prozent zurückgehen. Das verschärft Dürren im Sommer, vor allem im Nordosten Deutschlands, und bedeutet eine größere Waldbrandgefahr, Einbußen in der Landwirtschaft und Einschränkungen in der Binnenschifffahrt.

Im Winter wird es in ganz Deutschland feuchter werden. Gerade in den Mittelgebirgen Süd- und Südwestdeutschlands ist mit einem Drittel mehr Niederschlägen zu rechnen. Schnee wird es regional allerdings weniger geben: Fällt momentan etwa ein Drittel des Niederschlags in den Alpen als Schnee, könnte es am Ende des Jahrhunderts nur noch ein Sechstel sein. Mit entsprechend negativen Folgen zum Beispiel für den dortigen Tourismus.

Die neuen Ergebnisse zeigen klar: Der Klimawandel wird vor Deutschland nicht Halt machen. Und er ist bereits spürbar: Durch die Hitzewelle im Jahr 2003 waren in Deutschland mehr als 7.000 Tote zusätzlich zu beklagen. Die Schäden als Folge extremer Wetterereignisse der vergangenen zehn Jahre belaufen sich in Deutschland auf etwa 16,5 Milliarden Euro. Die Kosten durch den Klimawandel könnten bis 2050 auf jährlich 27 Milliarden Euro steigen.

„Wir haben erstmals eine genauere Vorstellung davon, wie und wo sich der Klimawandel in Deutschland auswirkt. Um nachteilige wirtschaftliche und soziale Folgen zu begrenzen, brauchen wir zwei Dinge: Wir müssen beginnen, uns anzupassen und zugleich mehr tun, um den Temperaturanstieg weltweit bis 2050 auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Wenn wir heute nicht handeln, kommt uns das im wahren Sinne des Wortes teuer zu stehen“, schlussfolgert UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge.

Wichtig ist jetzt, die Klimafolgenforschung zu intensivieren und mit flächendeckenden Klimadaten zu unterstützen. Das UBA wird dazu alle Daten der Klimaszenarien kostenfrei für Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen bereitstellen. Das Amt wird die neuen Daten detailliert bewerten und versuchen, die Risikowahrnehmung bei Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Verwaltung zu schärfen. Ziel ist es, die notwendige Anpassung an den Klimawandel – wie im Hochwasser- und Gesundheitsschutz – zu beschleunigen.

Neben besserer Anpassung an den Klimawandel sind nach Auffassung des UBA die Treibhausgasemissionen in Deutschland – als nationaler Beitrag zum globalen Klimaschutz – um 40 Prozent bis 2020 und um 80 Prozent bis 2050 zu verringern. Eine rationellere Energienutzung, eine schnell und deutlich steigende Effizienz bei der Umwandlung der Primär- in Endenergie sowie die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien tragen in hohem Maße dazu bei.

Wirtschaftlich und technisch hat Deutschland das nötige Wissen und Können. Und Klimaschutz lohnt sich: Weltweit liegen die Kosten für anspruchsvollen Klimaschutz bei durchschnittlich nur einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die ökonomischen Schäden eines ungebremsten Klimawandels könnten dagegen bis zu zehn Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmachen.

Quelle: Umweltbundesamt (UBA) www.umweltbundesamt.de


  

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