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08.06.2013

Energiewende: Wo stehen wir heute?

Die Energiewende ist mit der Festlegung des „Energiepakets“ im Juni 2013 nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima nunmehr zwei Jahre alt. In der öffentlichen und medialen Wahrnehmung haben sich seither einige Veränderungen ergeben. Wie aber schätzen Expertinnen und Experten den Ausblick für eine Umstrukturierung des Energiesystems ein? Wie bewerten sie den aktuellen Stand der Entwicklungen? Welche Probleme und Lösungsansätze ergeben sich in einigen wesentlichen Bereichen? Diese Fragen standen im Vordergrund der Jahreskonferenz der Europäischen Akademie am 3. und 4. Juni 2013 im Wissenschaftszentrum Bonn.

Neben Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion wurden die relevanten Themen von den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an beiden Tagen angeregt, offen und konstruktiv diskutiert. Heraus kam vor allem, dass sich bei der Umsetzung der Energiewende eine ganze Reihe an Herausforderungen ergeben, für die es noch keine festgelegten Rezepte gibt. Die Expertinnen und Experten waren sich einig, dass immer wieder fachübergreifend diskutiert und geforscht werden müsse.

Die Referentinnen und Referenten der ersten Sektion gaben einen Überblick über die Vorstellungen, die zu einem zukünftigen Energiesystem in Form von Szenarien bestehen. Zunächst stellte Joachim Nitsch die neuesten Entwicklungen zu den über Jahre hinweg durchgeführten Leitstudien vor: Hier wird abgeschätzt, wie gewählte Zielszenarien erreicht werden und welche Kosten möglicherweise dadurch entstehen können. Anschließend präsentierte Dirk Uwe Sauer mit Schwerpunkt auf Energiespeicher Möglichkeiten zur Ergänzung von Erzeugungstechnologien, die zum zeitlichen Abgleich von Angebot und Nachfrage herangezogen werden können: Entsprechende Technologien seien vorhanden, fraglich sei jedoch ihre Wirtschaftlichkeit und dabei unter anderem, wie ihr Nutzen für das System angemessen vergütet werden könne.

In der zweiten Sektion wurden Akzeptanzprobleme und Beteiligungsmöglichkeiten behandelt. Zunächst berichtete Miranda Schreurs über Akzeptanzprobleme, die unter verschiedenen Konstellationen entstehen können. Als Beispiele nannte sie unter anderem Verhandlungen bei der Umsetzung internationaler Leitungsprojekte beziehungsweise lokale Ablehnung versus explizite Zustimmung bei ähnlichen Großprojekten in verschiedenen Regionen. Ortwin Renn gab anschließend einen Überblick darüber, wie Beteiligungsprozesse verwendet werden können, um Entscheidungen zu unterstützen: Akzeptanz könne erhöht werden, wenn man alle Beteiligten frühzeitig angemessen in den Prozess mit einbeziehen würde.

Die dritte Sektion stand unter dem Thema Nachfragemanagement und Netze. Nachdem Christian Rehtanz Möglichkeiten und Grenzen des zeitlichen Ausgleichs über Nachfragemanagement und des räumlichen Ausgleichs durch Netze sowie die zu erwartenden Kosten dargestellt hatte, ging Gert Brunekreeft auf die Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Anreizregulierung im Netzbereich ein, die derzeit primär auf effizientes Wirtschaften ausgelegt ist und daher bei der Erneuerung des Systems auf Grenzen stößt. Jens-Peter Schneider zeigte schließlich die Komplexität der Planungs- und Genehmigungsprozeduren im Bereich elektrischer Netze auf, in der in einigen Schritten partizipative Elemente vorgesehen sind.

In der vierten Sektion stellten die Expertinnen und Experten ökonomische Instrumente zur Integration Erneuerbarer Energien vor. Dominik Nailis wies unter anderem darauf hin, dass bei einer Dominanz der erneuerbaren Energien eher umgekehrt die bisher konventionellen Technologien integriert werden müssten. Nailis gab einen Überblick darüber, wie der Markt gestaltet werden könne, um bessere Anreize für notwendige Investitionen zu schaffen. Dabei betonte er, dass eine Konzentration auf reine Kapazitätsmärkte zu kurz gegriffen sei: Dazu sei eine Gesamtbetrachtung inklusive aller Instrumente notwendig. Christoph Weber betrachtete anschließend verschiedene Instrumente zur Förderung der Nutzung erneuerbarer Energien. In Anbetracht von Risiken, die mit der Nutzung der verschiedenen Instrumente zusammenhängen, sieht er die derzeit implementierte Marktprämie als einen „brauchbaren Kompromiss“. Allerdings bestehe hier noch Forschungsbedarf.

In der Diskussionsrunde standen schließlich Praktikerinnen und Praktiker zur Umsetzung der Energiewende Rede und Antwort. Es wurde deutlich, dass viele Optionen möglich und umsetzbar zu sein scheinen – je nach Größe des Energieversorgers. So kann der Zusammenschluss mehrerer Energieversorger sinnvoll sein oder aber die Zusammenarbeit mit einem Großen. Aber auch unabhängiges Agieren kann in einzelnen Regionen die Lösung sein, kann jedoch auch zu unkoordiniertem Ausbau führen.

Die Tagungsbeiträge sind zu finden auf der Homepage der Europäischen Akademie: www.ea-aw.de 

Quelle: Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler

  

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