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13.04.2013

Meeresspiegelanstieg: Gefahr für terrestrische Artenvielfalt auf Inseln

Modellrechnungen sagen bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen Anstieg des Meeresspiegels von etwa einem Meter und von bis zu fünfeinhalb Metern bis zum Jahr 2500 voraus. Florian Wetzel und seine Kollegen von der Vetmeduni Vienna haben gemeinsam mit Walter Jetz von der US-amerikanischen Yale University nun Modellrechnungen für den südostasiatischen und pazifischen Raum veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Landwirbeltierarten durch die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels betroffen sind. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Zeitschrift „Global Change Biology“ vorab online veröffentlicht.

Landtierarten auf niedrig liegenden Inseln und in Küstengebieten sind von einem durch den Klimawandel bedingten Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Die am stärksten bedrohten Arten sind sogenannte endemische Arten mit begrenzten Lebensräumen und seltene Arten, die schon heute als gefährdet gelten. Das ist die Kernaussage einer soeben erschienenen Studie von Florian Wetzel und Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) und von Walter Jetz vom Department for Ecology and Evolutionary Biology der Yale University, USA.

Die neue Studie beschäftigt sich als erste ihrer Art mit einem derart großen geografischen Gebiet: Sie deckt den gesamten südostasiatischen und pazifischen Raum mit über 12.000 Inseln und die Verbreitungsgebiete von über 3 000 Wirbeltierarten (Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere) ab. Ebenso ist sie die erste Studie, die mit Daten in der hohen räumlichen Auflösung von 90 Metern arbeitet. Verglichen mit früheren Studien sind die Vorhersagen deshalb besonders genau. „Die hohe Datenqualität, mit der wir arbeiten konnten, stellt einen Quantensprung in der Genauigkeit dar“, erklärt Co-Autor Helmut Beissmann vom KLIVV.

Die Modellrechnungen zeigen, wie Inseln und Atolle des Untersuchungsgebiets Teile ihrer Landfläche verlieren, einige Inseln würden komplett überspült. Wetzel und seine Kollegen sagen voraus, dass selbst bei dem noch in unserem Jahrhundert erwarteten Anstieg des Meeresspiegels von rund einem Meter im untersuchten Gebiet etwa ein Prozent der Landmasse verloren gehen würde. Viele pazifische Inseln liegen heute nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel, ein Anstieg um nur einen Meter würde bei ihnen einen Flächenverlust von knapp vier Prozent bedeuten.

Für die Forscher überraschend war die enorme Schwankungsbreite der Auswirkungen auf unterschiedliche Inselgruppen: „Manche Atolle im Pazifik würden bereits bei einem Meeresspiegelanstieg von einem Meter ein Drittel ihrer Fläche verlieren, die darauf lebenden Arten wären hiervon stark betroffen“, erläutert Studienautor Florian Wetzel. „Im Gegensatz dazu würden andere vulkanische Inselgruppen und auf ihnen ansässigen Arten nur einen Verlust von einigen wenigen Prozenten erleiden.“

Sollte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2500 tatsächlich um sechs Meter ansteigen, könnten die pazifischen Inseln 14,5 Prozent ihrer gegenwärtigen Landfläche verlieren. Der Verlust in der ganzen Region würde im Durchschnitt bei 9,3 Prozent liegen, was eine signifikante Reduktion des Lebensraumes bedeutet. Bei einem Anstieg um nur einen Meter würden 14,7 Prozent der Inseln im untersuchten Gebiet völlig überflutet, das betrifft aber vor allem kleine Inseln. „Diese enorme Zahl an ganzen Inseln, die verschwinden werden, ist das verblüffendste Ergebnis unserer Studie“, sagt Dustin Penn, Leiter des KLIVV und Mitautor der Studie.

Nachdem die Forscher die betroffenen Flächen ermittelt hatten, bestimmten sie die dort lebenden Arten, die von einem Anstieg des Meeresspiegels am stärksten betroffen wären. Um die möglichen Auswirkungen auf Landwirbeltierarten festzustellen, errechneten die Forscher einen Gefährdungsindex der Biodiversität. Ihre Ergebnisse zeigen, dass der Verlust an Lebensraum, der mit dem Flächenverlust durch den Meeresspiegelanstieg einhergeht, auf einigen südostasiatischen und pazifischen Inseln eine sehr schwerwiegende Bedrohung für den Fortbestand endemischer Arten darstellt. Sie fanden heraus, dass sowohl endemische Arten, die nur noch auf bestimmten Inseln leben, als auch Arten, die schon heute als gefährdet gelten, mit den größten Flächenverlusten konfrontiert wären. „Unsere Ergebnisse geben Anlass zu Sorge, nicht nur hinsichtlich einzelner untersuchter Tierarten, sondern auch der globalen Bedrohung aller Insel- und Küstenarten durch den Meeresspiegelanstieg“, sagt Wetzel.

Die Ergebnisse des Forscherteams bestätigen einmal mehr die Besorgnis um die Folgen des Klimawandels. Die Autoren legen zudem dar, warum ihre Ergebnisse das tatsächliche Risiko des Aussterbens sogar unterschätzen könnten und nennen eine Reihe weiterer Faktoren, die die Situation auf Inseln möglicherweise noch weiter verschärfen. Beispielsweise wird eine durch den Meeresspiegelanstieg erzwungene Verlagerung des Siedlungsgebiets der ansässigen menschlichen Bevölkerung den Lebensraum der Landtierarten auf den Inseln noch zusätzlich beschneiden. Daher empfehlen die Forschenden, bei der Planung von Arterhaltungsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten den erwarteten Meeresspiegelanstieg weit stärker zu berücksichtigen als bisher.

Der Artikel „Vulnerability of terrestrial island vertebrates to projected sea-level rise“ von Florian T. Wetzel, Helmut Beissmann, Dustin J. Penn und Walter Jetz wurde in der Zeitschrift Global Change Biology vorab online veröffentlicht. Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels online: http://dx.doi.org/10.1111/gcb.12185 

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

  

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