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13.08.2009

Q-Cells will nach Umsatzeinbruch rund 500 Arbeitsplätzen abbauen

Das Photovoltaik Unternehmen Q-Cells SE (Bitterfeld-Wolfen) hat den Halbjahresbericht zum 30. Juni 2009 vorgelegt. Demnach sank der Umsatz im ersten Halbjahr von 579,5 Millionen Euro in der Vorjahresperiode auf 366,2 Millionen Euro. Im Wesentlichen sei das Geschäft durch einen massiven Preisverfall bei Solarzellen und einer deutlich verringerten Nachfrage negativ beeinflusst worden, meldet das Unternehmen. Nach dieser deutlichen Verschlechterung des Geschäftsverlaufs hat der Q-Cells-Vorstand ein umfassendes Maßnahmenprogramm vorgestellt, das u.a. den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen am Standort Thalheim vorsieht.

Einem Gewinn im operativen Geschäft (EBIT) von 119,1 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres steht ein operativer Verlust von -47,6 Millionen Euro im gleichen Zeitraum 2009 gegenüber, teilt das Unternehmen in einer Pressemeldung mit. Beeinflusst durch eine weitere Abschreibung im Zusammenhang mit dem Verkauf der Anteile an Renewable Energy Corporation ASA (REC) im Mai fiel Unternehmensangaben zufolge für das erste Halbjahr 2009 ein Periodenverlust von 696,9 Millionen Euro an.

Das Produktionsvolumen sei mit 272,2 MWp gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 nahezu konstant geblieben. Im Wesentlichen wurde das Geschäft negativ beeinflusst durch einen massiven Preisverfall bei Solarzellen und eine deutlich verringerte Nachfrage, so Q-Cells weiter. Gegen den Trend verzeichnete das Projektgeschäft, das bei der vollkonsolidierten Tochter Q-Cells International GmbH gebündelt ist, weiterhin starkes Wachstum bei der Planung und Umsetzung großer Solarparks. Das Unternehmen erzielte bei einem Umsatz von 128,0 Millionen Euro ein EBIT von 8,0 Millionen Euro im Halbjahr. Derzeit errichtet Q-Cells International unter anderem den mit rund 54 MWp bislang größten deutschen Solarpark im bayerischen Strasskirchen.

„Der Geschäftsverlauf zeigt, wie schnell und wie dramatisch sich die Märkte für uns verändert haben. Um hier rasch und umfassend gegenzusteuern, haben wir mit Q-Cells Reloaded ein dreiteiliges Maßnahmenprogramm entwickelt, mit dem wir Q-Cells an die strukturell veränderten Marktbedingungen anpassen werden. Ziel ist, mittelfristig wieder nachhaltig profitabel zu wachsen“, sagt Anton Milner, Vorsitzender des Vorstandes von Q-Cells SE.

Milner weiter: „Natürlich bekommen wir den Preisdruck, der aus den Überkapazitäten resultiert, und die weiterhin schleppende Finanzierung von Großprojekten als Folge der Finanzmarktkrise zu spüren. Diese Problemfelder werden wir neben weiteren im Rahmen von Q-Cells Reloaded sehr entschlossen angehen.“ Daneben belasten langfristige Verträge mit Wafer-Lieferanten, die sich mittlerweile nachteilig auswirken, die im internationalen Vergleich in Teilen zu teure Fertigung und vergleichsweise hohe Gemeinkosten das Ergebnis.

Das Maßnahmenpaket „Q-Cells Reloaded“ sieht Unternehmensangaben zufolge im Einzelnen vor:

1. Kapazitätsanpassung und Kostensenkung:
Aufgrund des Überangebotes bei Siliziumwafern liege der kurzfristige Marktpreis für dieses Vorprodukt seit Anfang des Jahres unterhalb des Preisniveaus, das Q-Cells mit seinen Lieferanten in den Verträgen für 2009 vereinbart hat. Daraus sei alleine im ersten Halbjahr ein Wettbewerbsnachteil in Höhe von rund 50 Millionen Euro entstanden, meldet das Unternehmen. 2010 sehen die Verträge eine Angleichung an den Marktpreis vor, so dass dieser Nachteil größtenteils entfällt.

Daneben lägen die Kostenstrukturen der Produktionslinien der älteren Generation am Standort Thalheim um etwa 30 Prozent über dem mittlerweile üblichen Niveau im internationalen Wettbewerb. Dies sei im Wesentlichen auf erhebliche Skalierungseffekte, die mit größeren Linien erreicht werden können, und den technischen Stand der älteren Anlagen zurückzuführen. Daher habe der Vorstand beschlossen, diese Linien stillzulegen. Zusammen mit der notwendigen Reduzierung der Gemeinkosten über alle Bereiche sollen damit rund 500 Arbeitsplätze dauerhaft wegfallen, meldet das Unternehmen.

Zusätzlich werde das Instrument Kurzarbeit abhängig von der Marktentwicklung am Standort Thalheim weiterhin genutzt. Insgesamt wird damit eine Reduzierung der Produktionskosten um 25 Prozenterreicht.

2. Stärkung der Technologieposition:
Q-Cells will seine Forschungsaktivitäten im Bereich der Solarzellen auf marktnahe und kurz- bzw. mittelfristig erfolgversprechende Projekte fokussieren. Zuletzt konnte hier Unternehmensangaben zufolge bei monokristallinen Zellen ein Wirkungsgrad von 18,3 Prozent erzielt werden. „Auf dieser Basis werden wir bis Ende 2011 einen Wirkungsgrad von 20 Prozent in der Technologie erreichen“, erläutert Gerhard Rauter, im Q-Cells-Vorstand zuständig für die Produktion.

Innerhalb seines Technologie-Portfolios will sich Q-Cells zukünftig auf die Dünnschicht-Unternehmen Solibro (CIGS) und Calyxo (CdTe) konzentrieren, die von Q-Cells kontrolliert werden. Dabei sei vom Vorstand von Q-Cells SE der Auftrag an Calyxo ergangen, sein technologisches Potenzial bis zum Jahresende in der Massenfertigung unter Beweis zu stellen. Der Wirkungsgrad der besten Dünnschicht-Module von Solibro, die seit Beginn der Massenfertigung bereits rund 9 MWp produziert hat, betrug laut Q-Cells zuletzt 11,7Prozent. Für den weiteren Ausbau der übrigen Beteiligungen kooperiere Q-Cells weiterhin mit Partnern außerhalb des Unternehmens.

3. Sicherung der mittelfristigen Liquiditätsreserven:
Um bis Anfang 2011 ausreichenden Spielraum für die Übergangsphase zu schaffen, wird die Innenfinanzierung von Q-Cells gestärkt. Sämtliche Investitionsprojekte insbesondere für 2010 werden dazu auf den Prüfstand gestellt und die Kapitalbindung in Projekten und Vorräten verringert. Gegenüber der ursprünglichen Planung erwartet Q-Cells einen verminderten Mittelaufwand von zirka 300 Millionen Euro. „Mit einem deutlich strafferen Working Capital-Management in der Produktion und im Projektgeschäft reduzieren wir den Cash-Bedarf um rund 200 Millionen Euro. Bis zu 100 Millionen Euro Mittelabfluss vermeiden wir durch eine Reduzierung unseres Investitionsprogramms“, sagt Dr. Nedim Cen, Finanzvorstand der Q-Cells SE.

„Nach den großen Erfolgen in der Aufbauzeit, die wir auch einer einzigartigen Mannschaft zu verdanken haben, stehen wir heute vor großen Herausforderungen. Um Q-Cells sicher durch die Krise zu steuern und dem Unternehmen eine langfristige Perspektive am Standort Thalheim zu geben, sind die Maßnahmen inklusive des Personabbaus unabdingbar – auch wenn uns das sehr schmerzt. Gleichzeitig werden wir im Bereich Forschung und Entwicklung, im Vertrieb und in der Dünnschicht selektiv sogar neue Stellen schaffen, um uns zukünftig wieder stärker durch einen technologischen Vorsprung vom Wettbewerb zu differenzieren“, schließt Milner.

Mit dem Wandel der Photovoltaik Märkte werden sich auch neue Segmente und Regionen eröffnen, teilt Q-Cells weiter mit. Aufbauend auf dem Projektgeschäft von Q-Cells International, die sich als feste Größe im Markt etablieren konnte, will sich Q-Cells ergänzend zum Produktgeschäft zukünftig stärker im Systemgeschäft engagieren. Milner: „Wir werden eigenes System-Know-how in ausgewählten Märkten anbieten.“
 
Quelle: Q-Cells SE

  

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