Artikel vom 30.11.2006, Druckdatum 26.06.2022

BUND-Aktion gegen CO2-Schleudern

Nicht nur in den USA regt sich Widerstand gegen die Autobauer, die immer noch auf CO2-Schleudern setzen: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) prangert derzeit mit einer Plakataktion die Modellpolitik von DaimlerChrysler, BMW und VW an. Die Hersteller kämen ihrer Verantwortung der Minderung schädlicher CO2 Emissionen nicht nach und würden das Ziel verfehlen, die Klimagase entscheidend zu reduzieren. Die Automobilindustrie habe sich 1998 verpflichtet, bis 2008 den Durchschnittsverbrauch ihrer Neuwagenflotte auf 5,7 Liter je 100 Kilometer zu senken, tatsächlich liege aber der durchschnittliche Verbrauch der am häufigsten beworbenen Pkw heute bei neun Liter, so der BUND.

Die aktuell verkauften Mercedes-Pkw emittierten im Durchschnitt 185 Gramm CO2 pro Kilometer, versprochen hatte Mercedes 1998, diesen Wert von damals rund 220 Gramm bis 2008 auf 140 Gramm reduzieren. In den zurückliegenden acht Jahren sei also nur rund die Hälfte der Selbstverpflichtung erfüllt worden, verweist der BUND auf die Diskrepanz. 

Auch der als „wirtschaftlich“ und „sparsam“ beworbene VW-Eos benötige im Durchschnitt bis zu 9,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Dies entspreche 219 Gramm CO2 pro Kilometer, selbst der sparsamste Eos stoße noch 158 Gramm pro Kilometer aus, erklärt der BUND. Obwohl auch VW 1998 das Versprechen abgegeben habe, bis 2008 auf 140 Gramm CO2 pro Kilometer zu kommen, sei der Flottenverbrauch neuer VW-Pkw im Vergleich zu 2005 nicht mehr gesunken, bei Dieselfahrzeugen stiegen die Emissionen seit 2000 sogar wieder an.

Der BUND kritisiert außerdem, dass BMW & Co vor allem Sprit fressende Modelle bewerben. Eine Analyse der Umweltorganisation habe ergeben, dass der durchschnittliche Verbrauch der am häufigsten angepriesenen Pkw bei neun Litern auf 100 Kilometer liege. Dies entspreche 215 Gramm CO2 pro Kilometer. Niedersachsens BUND-Vorsitzende Renate Backhaus: „Nicht nur, dass die deutschen Hersteller ihre Selbstverpflichtung für mehr Klimaschutz ignorieren. Weil sie ihre Werbemillionen vor allem für Spritschleudern ausgeben, verhindern sie auch, dass die Kunden sparsame Modelle kaufen.“

Richard Mergner, Verkehrsexperte beim Bund Naturschutz in Bayern: „45 Millionen Pkw in Deutschland belasten das Klima, fast jeden Tag erreichen uns neue Hiobsbotschaften über Dürren Hurrikans, Überflutungen. Und was macht die deutsche Autoindustrie? Sie taucht ab und hält sich raus. Sie macht sich nicht nur mitschuldig am Verheizen unseres Planeten, sie schiebt auch die Entwicklung moderner Technologien auf die lange Bank.“

Der BUND fordert, dass die Autohersteller mit innovativen Techniken und umweltbewusster Werbung bis 2008 den Durchschnittsverbrauch von Neuwagen auf 5,7 Liter bzw. 140 Gramm CO2 senken. Spätestens 2012 sollen dann weniger als 5 Liter auf 100 Kilometer – das entspricht 120 Gramm CO2 je Kilometer – erreicht werden.

Um die Branche zum Umdenken zu bewegen, startete der Umweltverband einen öffentlichen Wettbewerb zur Verfremdung der Anzeigen deutscher Automobilkonzerne. „Unser Wettbewerb soll den Schein der Autowerbung von der heilen Welt entlarven. Dazu rufen wir Agenturen auf und alle, die sich kreativ für den Klimaschutz engagieren wollen“, sagt Norbert Franck, BUND-Pressechef. Im Internet richtete der BUND zudem einen „Mailomaten“ ein, mit dem Protest-E-Mails an die Vorstandschefs von DaimlerChrysler, BMW und VW geschickt werden können. Nähere Infos zu den Aktionen unter www.bund.net/klimaschutz.

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)
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