Artikel vom 31.01.2013, Druckdatum 02.02.2023

Strompreis: Mythen, Lügen und Legenden

An den hohen Strompreisen sind nicht die Erneuerbaren Energien und auch nicht der Atomausstieg schuld. Schuld sind das schlechte Management der Politik, zu wenig Wettbewerb, hohe Gewinne der Konzerne und falsche Abgaben. Das sagt Prof. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Vor wenigen Tagen hat sie ihr aktuelles Buch „Kampf um Strom Mythen, Macht und Monopole“ veröffentlicht, das Einblick gewährt in die Hintergründe der deutschen Energiewende.

Der Umbau unseres Energiesystems ist nach Ansicht von Prof. Kemfert nötig. Er ist aber deshalb jetzt mit steigenden Kosten verbunden, weil in Deutschland „seit Jahrzehnten keine vorausschauende Energiepolitik betrieben wurde“, so die Energieexpertin gegenüber Bild.de (27.01.2013). 

Laut Kemfert bezahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher jetzt für Managementfehler der Vergangenheit. Um dieses Versagen zu verschleiern, würden die Erneuerbaren Energien zum Sündenbock gemacht. So ließen sich die Kosten des eigenen Versagens „bequem auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen“. 

Die Bundesregierung fordert sie auf, endlich aufzuhören, den erbitterten „Kampf um Strom“ durch Lügen und Legenden anzuheizen. Strom aus Erneuerbaren Energien sei „allemal billiger als die Milliardengräber der Kernkraft und dazu eine Investition in Deutschlands Wirtschaftskraft“, so die Energieexpertin. 

In ihrem aktuellen Buch „Kampf um Strom Mythen, Macht und Monopole“ entlarvt Kemfert die Mythen, Lügen und Legenden, die in der politischen Debatte derzeit im Umlauf sind, und zeigt auf, wer sie besonders gerne pflegt, die Angst vor Blackouts, explodierenden Preisen, dem Kosten-Tsunami und der Deindustrialisierung Deutschlands. Das politische Management der Energiewende sei seit dem Druck der Lobby auf Schlingerkurs, die Bundesregierung zerstritten, sagt Kemfert. Die Autorin zeigt aber auch, wie die Energiewende schneller vorankommen könnte: durch mehr Zusammenarbeit innerhalb der EU, durch eine Entflechtung des Strommarktes und eine Dezentralisierung der Netze. 

„Insgesamt ein lesenswertes Buch“, so Prof. Dr. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS). Und Christoph Rasch von NDR Info nennt Kemferts Buch „pointiert und anschaulich“ und empfiehlt es als „handliche Argumentations- und Nachschlagehilfe“. 

Claudia Kemfert „Kampf um Strom Mythen, Macht und Monopole“, Murmann Verlag GmbH, 2013, 14,90 Euro 

Quelle: bild.de
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