Artikel vom 18.09.2006, Druckdatum 29.11.2022

Studie: Beschäftigungsmotor Erneuerbare Energien

Einer der wenigen Jobmotoren in Deutschland ist seit Jahren die Erneuerbare-Energien-Branche. Kontinuierlich sind die Arbeitsplatzzahlen in diesem Bereich gestiegen. Haben die Erneuerbaren Energien aber auch das Zeug zu dauerhaftem Beschäftigungswachstum? Sie haben! Eine zweijährigen Studie unter Leitung des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zeigt: Bis zum Jahr 2020 kann sich die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche in Deutschland auf mindestens 300.000 verdoppeln.

Im Ausgangsjahr 2004 belief sich nach Angaben der Forscher die Bruttobeschäftigung im Bereich Erneuerbare Energien auf 157.000 Arbeitsplätze. Davon entfielen 64.000 für die Windbranche, 57.000 auf den Bereich der Bioenergien und 36.000 auf Sonnenenergie Wasserkraft und Geothermie Weil die Erneuerbare-Energien-Branche derzeit klar mittelständisch geprägt ist, bestehen besonders in strukturschwachen Gebieten Beschäftigungsperspektiven. Nach Berechnungen der Forscher können diese Zahlen bis 2020 auf insgesamt mindestens 300.000 Arbeitsplätze steigen.

Voraussetzung für die ermittelten positiven Beschäftigungswirkungen ist aber, so die Studie, dass der deutsche Markt bei stabilen politischen Rahmenbedingungen weiterhin anhaltende Absatzchancen und Innovationsimpulse für die erneuerbaren Energien bietet. Hierfür ist neben der Fortführung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) rasch ein ähnlich wirkungsvolles Instrument auch im Bereich der regenerativen Wärmeerzeugung erforderlich, um die dort vorhandenen Potentiale zu mobilisieren, so die Forscher.

Sehr stark hänge die Arbeitsplatzwirkungen in Deutschland außerdem davon ab, in welchem Umfang die deutschen Unternehmen ihre derzeit sehr guten Chancen im stark wachsenden Weltmarkt für Erneuerbare Energien nutzen. Bis 2020, so schätzt die Studie, können die weltweiten Investitionen in Erneuerbare-Energien-Anlagen von derzeit etwa 40 Milliarden Euro auf rund 250 Milliarden Euro ansteigen und im Jahr 2030 sogar 460 Milliarden Euro pro Jahr erreichen. Mit entsprechenden positiven Folgen für die Beschäftigtenzahlen.

Dabei blieben die Forscher bei ihren Berechnungen eher an den unteren Annahmezahlen: Für das Jahr 2030 beispielsweise gehen die Forscher lediglich von einem Exportwachstum von sechs Prozent (knapp 30 Milliarden Euro) für deutsche Hersteller aus. Und auch bei den Annahmen zur Preisentwicklung erneuerbarer Energieträger im Verhältnis zu denen konventionell erzeugter Energie blieben sie zurückhaltend.

Aber selbst unter Berücksichtigung aller denkbaren negativen Beschäftigungseffekte fällt die Bilanz der Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 mit mindestens 70.000 zusätzlichen Dauerarbeitsplätzen eindeutig positiv aus. Negative Beschäftigungseffekte wären beispielsweise das Erliegen sämtlicher Exporte der erneuerbaren Energien-Branche und der Rückfall und längerfristige Verbleib der Energiepreise für konventionelle Energien auf dem Niveau der Jahre 2000 – 2002. Beide Szenarien halten die Forscher allerdings für „völlig unrealistisch“.

Wurden dagegen geringfügig optimistischere Annahmen in die Modellberechnungen zum Exportanteil deutscher Unternehmen sowie zur Kostenentwicklung der erneuerbaren Energien einbezogen, ergaben sich deutlich höhere Beschäftigungseffekte, die 2030 eine Größenordnung von bis zu 415.000 Brutto- beziehungsweise 180.000 Netto-Arbeitsplätzen erreichen könnten. Das sind jeweils rund 100.000 Arbeitplätze mehr als in der vorgestellten Basis-Variante.

Das Forschungsvorhaben „Auswirkungen des Ausbaus der erneuerbaren Energien auf den deutschen Arbeitsmarkt unter besonderer Berücksichtigung des Außenhandels“ war in den letzten beiden Jahren vom Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW, Stuttgart; Projektleitung), dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Stuttgart) und der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS, Osnabrück) bearbeitet worden. Es stützt sich unter anderem auf eine Befragung von mehr als 1.100 Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche sowie differenzierte Szenarien zur Entwicklung des deutschen sowie weltweiten Marktes für erneuerbare Energien in den Bereichen Strom Wärme und Kraftstoff bis zum Jahr 2030.

Der Abschlussbericht zur Studie kann unter http://www.bmu.de/erneuerbare_energien/downloads/doc/36860.php herunter geladen werden.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
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