Artikel vom 27.12.2005, Druckdatum 29.09.2022

Teure Angelegenheit Klimawandel

Schon längst ist Klimaschutz nicht mehr nur ein Thema für „grüne Spinner“. Zwei aktuelle Studien im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) belegen, dass der globale Klimawandel bereits stattfindet und die Folgen auch für Deutschland Anlass zur Sorge geben. Sowohl die Ergebnisse des Meteorologischen Instituts der...


... Universität Frankfurt/Main, als auch die des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung geben Hinweise darauf, dass in Deutschland vor allem mit einer weiteren Zunahme von Starkniederschlägen – und damit verbunden die Gefahr von Hochwassern – und Hitzewellen zu rechnen ist. Allein die volkswirtschaftlichen Schäden daraus können nach Aussage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ab 2050 in Deutschland weit mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Es besteht also guter Grund zu handeln. „Wir müssen nicht nur versuchen, das Ausmaß des Klimawandels wirkungsvoll zu begrenzen. Wir müssen uns auch schneller als bisher dem Klimawandel anpassen – etwa im Deichbau und dem Hochwasserschutz –, um zukünftige volkswirtschaftliche Schäden so gering wie möglich zu halten“, so Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des UBA.

Laut WHO haben sich die Stürme und Überschwemmungen weltweit im letzten Jahrzehnt gegenüber den 1960er Jahren verdoppelt bis verdreifacht, die volkswirtschaftlichen Schäden versechsfacht. Ursache: der globale Klimawandel der – so die Forscher übereinstimmend – zumindest für die letzten Jahrzehnte als größtenteils vom Menschen verursacht gilt. Vor allem die nach wie vor in viel zu großer Menge ausgestoßenen Treibhausgase (CO2 u.a.), die hauptsächlich auf die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl, Gas und großflächige Waldrodungen zurückzuführen sind, werden die Temperaturen in Deutschland bis 2080 voraussichtlich um weitere 1,6 bis 3,8°C ansteigen lassen.

Davon werden vor allem der Südwesten Deutschlands, zentrale Teile Ostdeutschlands und die Alpen betroffen sein. Im Winter könnte es bis 2080 um ein Drittel mehr regnen, im Sommer dafür um ein Drittel weniger. Laut Umweltbundesamt könnten dadurch insbesondere in Teilen Ostdeutschlands Niederschlagsverhältnisse herrschen, wie man sie heute im Süden Spaniens antrifft. Mit entsprechenden Folgen zum Beispiel für die Land- und Forstwirtschaft, die sich auf rückläufige Erträge und eingeschränkte Anbaumöglichkeiten einstellen muss. Die Waldbrandgefahr wird steigen und die Anfälligkeit des Waldes für Schädlinge zunehmen. Auch die Winterniederschläge werden zukünftig aufgrund der Erwärmung weniger als Schnee niedergehen, was die Gefahr von Hochwassern steigen lässt und für den Wirtschaftsfaktor Wintertourismus nicht ohne Folgen bleiben dürfte.

Den häufiger auftretenden Hochwassern im Winter und Frühjahr werden sommerliche Dürren und damit einhergehende sinkende Grundwasserspiegel gegenüberstehen. Damit steht auch die Trinkwassergewinnung aus Grundwasserbrunnen vor großen Problemen. Ebenso übrigens die Kühlung von Kern- oder Kohlekraftwerken. Wasserärmere Kühlungssysteme sind derzeit noch weniger effizient, was wiederum höhere Stromerzeugungskosten um bis zu 10 Prozent zur Folge hat. Nicht zuletzt – das haben die Winterstürme im Münsterland Ende November 2005 gezeigt – beeinträchtigen Extremwetterereignisse die gesamte Infrastruktur: Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Pünktlichkeit der Netze werden zukünftig einen enormen Kostenfaktor darstellen.

Allein diese Zahlen machen deutlich, dass der Klimaschutz längst nicht nur mehr „grüne Spinner“ betrifft, sondern vermutlich das Kernthema der nächsten Jahrzehnte für die ganze Menschheit werden wird. Nur wenn es gelingt, zeitnah und schnell Maßnahmen zur weltweiten Senkung des CO2-Ausstoßes umzusetzen, die Energieeffizienz zu steigern und konsequent auf erneuerbare Energien umzusteigen, besteht die Chance, die Auswirkungen des globalen Klimawandels abzuschwächen. Aufhalten lassen sie sich nicht mehr.

(Weitere Informationen unter www.umweltbundesamt.de)

Autorin: Petra Forberger für www.solarportal24.de

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