Artikel vom 06.06.2006, Druckdatum 27.01.2022

Klimaveränderung und Gesundheit

Klimaveränderungen und -schwankungen wirken sich schon heute auf unsere Gesundheit aus. So jedenfalls das Ergebnis des Forschungsprojektes „Klimaveränderungen und Anpassungsstrategien zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie fordert zu mehr Zusammenarbeit auf, um Gemeinden und Städte auf die wachsenden Gefahren infolge des Klimawandels vorzubereiten.

Der Klimawandel betrifft alle Länder – unabhängig von ihrem sozioökonomischen Entwicklungsstand. Rund 880 Mio. Menschen in der Europäischen Region sind steigenden Temperaturen, Veränderungen der Niederschlagsverteilung und einer Verschärfung des Ausmaßes und der Häufigkeit extremer Wetterereignisse, insbesondere Hitzewellen Dürren und starker Regenfälle, ausgesetzt. Vieles spricht dafür, dass diese Veränderungen auf den Anstieg der Treibhausgasemissionen in den letzten 50 Jahren zurückzuführen sind.

Auf die menschliche Gesundheit wirken sich Klimaveränderungen und -schwankungen auf vielerlei Weise aus. So erlebte Europa 2003 die schlimmste Hitzewelle seit Menschengedenken. 2002 waren bei 15 größeren Überschwemmungsereignissen 250 Menschen ums Leben gekommen, 1 Mio. Menschen waren betroffen. Die heftigsten Schneefälle seit Jahren brachten Anfang 2006 nicht nur Schäden in Millionenhöhe, sondern auch zahlreiche Tote und Verletzte. Die WHO geht davon aus, dass jeder dritte Kindestod in Europa umweltbedingt ist.

Doch es drohen auch weniger spektakuläre Gefahren: Ab einer Umgebungstemperaturen von über 5°C erhöht sich die Zahl der Salmonellose-Fälle. Jedes Grad Celsius mehr bedeutet einen weiteren Anstieg der Fälle um 5 bis 10 Prozent. Die Lyme-Krankheit und die durch Zecken übertragene Hirnhautentzündung treten inzwischen in geographischen Breiten (Schweden) und Höhen (Tschechische Republik) auf, in denen sie bisher nicht verbreitet waren. Darüber hinaus hat sich die Pollensaison in den letzten 30 Jahren um durchschnittlich 10 bis 11 Tage verlängert.

Auf manche dieser Veränderungen ist Europa nicht vorbereitet, warnt die WHO. So war die unzureichende Vorbereitung der Gesundheitssysteme auf die Hitzewelle 2003 mit verantwortlich für die mehr als 35 000 zusätzlichen Sterbefälle allein in Westeuropa. Die WHO fordert deshalb zu bereichs- und länderübergreifendem Handeln auf.

Konkrete Maßnahmen sind beispielsweise die Schaffung von Frühwarnsystemen für Hitzewellen und Überschwemmungen die Stärkung von Krankheitsüberwachung und die systematische Erfassung von Gesundheits-, Wetter- und Umweltdaten sowie Daten über sozioökonomische Gegebenheiten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene in einem jeweils angemessenen Zeitrahmen, so die WHO.

„Wenn die Verantwortlichen im Gesundheitssektor ihrer Führungsrolle gerecht werden wollen“, sagt Dr. Roberto Bertollini, Leiter des Sonderprogramms Umwelt und Gesundheit beim WHO-Regionalbüro für Europa, „so müssen sie mit den Entscheidungsträgern in anderen Sektoren wie Energie, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft zusammenarbeiten, um gesundheitsförderliche Abhilfemaßnahmen zu ermöglichen. Sie müssen die Öffentlichkeit angemessen informieren und die Menschen darüber aufklären, wie sie die Gefahren von durch Nahrungsmittel, Parasiten und Nager übertragenen Krankheiten sowie von Allergieerkrankungen vermeiden können. Sie müssen lernen, mit Klimaexperten sowie mit Raum- und Städteplanern zusammenzuarbeiten, um Gemeinden und Städte auf die wachsenden Gefahren infolge des Klimawandels vorzubereiten.“

Quelle: WHO
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