Artikel vom 04.05.2009, Druckdatum 23.01.2022

Sonnenenergie sichert Bildungschancen und eröffnet wirtschaftliche Potenziale

Seit einem halben Jahr hat die Bibliothek im Dorf Balanka in Togo (Afrika) eine Photovoltaik Anlage. Das „Inselsystem“ (= autarke Stromversorgung, ohne Stromnetz) hat sich bis heute nicht ein einziges Mal abgeschaltet. Die Bibliothek kann jetzt bis 20 Uhr geöffnet sein. Durch die Service-Station zum Aufladen von Handys wurde eine neue Einnahmequelle für die Bibliothek geschaffen. Neben der gesamten Beleuchtung im Gebäude werden noch sechs PCs versorgt, an denen Computerkurse durchgeführt werden. Errichtet wurde die Photovoltaik Anlage von der Reiner Lemoine Stiftung, die 24 Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 5 kWpeak wurden von der Solon SE (Berlin) gespendet.

Das Dorf Balanka liegt zirka 350 Kilometer von der Hauptstadt Lomé entfernt und nur wenige Kilometer von der Grenze zu Benin. Die Einwohnerzahl liegt schätzungsweise bei 8.000 Menschen. Bis auf die Moschee und die Bibliothek sind die meisten Gebäude aus Lehm gebaut. Das Dorf ist weder an das Stromnetz angeschlossen noch ist es über eine asphaltierte Straße erreichbar. Die einzige Einrichtung, die dauerhaft mit Strom aus einem Dieselaggregat versorgt wird, ist ein Mobilfunkmast.

Im Februar 2008 trat die Gründerin des Vereins „Bildung für Balanka”, Frau Roubatou Affo-Tenin, mit der Bitte eine Solarstromanlage für die neue Bibliothek zu finanzieren, an die Reiner Lemoine Stiftung heran. Nach Begutachtung der Anfrage und nachdem sich einige Freunde und Mitglieder der Reiner Lemoine Stiftung bereit erklärt hatten, ehrenamtlich die Planung und Installation der Anlage durchzuführen, entschied sich die Stiftung, das Projekt zu fördern und eigenständig zu realisieren. Dem Bau ging eine halbjährige Planungsphase voraus, in der die Auslegung, die Beschaffung der Komponenten und deren Transport nach Togo organisiert wurden.

Am 18.10.2008 wurde die neue Bibliothek feierlich eröffnet. Die anwesenden Gäste – u.a. der togoleische Kulturminister, Abgeordnete, Dorfälteste und Mullahs – inspizierten bei einem Rundgang auch die damals fast fertig gestellte Solaranlage. Einige Tage später wurde die Photovoltaik Anlage in Betrieb genommen: als erstmals das Licht im gesamten Bibliotheksgebäude brannte, versammelte sich das Dorf, um im Licht eines Baustrahlers bis in die späte Nacht zu Trommelmusik zu tanzen.

Das System besteht im Wesentlichen aus 24 Solarmodulen, einer großen Batterie, zwei Ladereglern und einem Wechselrichter Die Module mit einer Gesamtleistung von 5 kWpeak wurden von der Berliner Solarfirma Solon SE gespendet, zu deren Gründer auch Reiner Lemoine gehörte. Der Energiespeicher – für die Versorgung der Bibliothek während der Nacht und bei zu geringer Sonneneinstrahlung gedacht – besteht aus einer wartungsfreien Blei-Gel-Batterie mit 50 kWh Energieinhalt. Der Speicher wird mit Hilfe von zwei Solarladereglern geladen. Ein 4,5 kW Wechselrichter sorgt für die nötigen 230V Wechselspannung im Gebäude. Alle Komponenten wurden von der Reiner Lemoine Stiftung gespendet und von Freunden und Kollegen der Stiftung vorort montiert.

„Weltverbesserer” mit Leidenschaft für Erneuerbare Energien: Reiner Lemoine

Vor knapp 20 Jahren hatte man ihn noch belächelt, als er mit Gleichgesinnten am Kreuzberger Paul-Linke-Ufer im „Wuseltronik-Kollektiv“ elektronische Messgeräte entwickelte. Die Welt wollten sie verbessern. Zumindest ein Stück. Elektrotechnik optimieren und Wege gehen, die andere sich nicht zu gehen trauten. 

Reiner Lemoines Antrieb war sein ausgeprägter Glaube an die Zukunft der Erneuerbaren Energien. Das größte Potenzial sah er dabei immer in der Photovoltaik Gemeinsam mit Freunden und Kollegen entwickelte er zahlreiche Verfahren und Technologien zur Nutzung der Sonnenenergie Ende der 90er Jahre stellte sich schließlich der wirtschaftliche Erfolg ein. Mit Freunden und Geschäftspartnern hatte er das Unternehmen Solon AG und später Q-Cells AG gegründet, die heute zu den führenden Solarunternehmen weltweit gehören.

Reiner Lemoine gilt heute als „Querdenker und Visionär“. Sein Engagement und seine Beharrlichkeit, regenerative Energiequellen in unserer Gesellschaft nachhaltig zu etablieren, hat er Zeit seines Lebens im gesellschaftlichen und politischen Kontext gesehen. Er wollte mit der neuen Technologie die Unabhängigkeit von Nationen stärken und dem Frieden dienen. Durch sie sollte die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen gesichert und die Umwelt geschützt werden.

Die Reiner Lemoine Stiftung fördert Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, sowie die Entwicklungshilfe im Bereich der regenerativen Energien. Im Vordergrund steht dabei die Vergabe von Stipendien an Promovenden und Doktoranden, deren Arbeit einen Bezug zu dem Thema Erneuerbare Energien aufweist. Da Nachhaltigkeit im Stiftungsgedanken groß geschrieben wird, unterstützt die Reiner Lemoine Stiftung auch die Jüngsten. Um sie für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Thematik nichtfossiler Energiezukunft zu gewinnen und zu sensibilisieren, fördert die Stiftung auch Projekte an Schulen im Bundesgebiet. Über die Vergabe der Förderungen befindet alljährlich im Spätsommer der Stiftungsvorstand nach den Vorschlägen des Kuratoriums. Mehr Informationen unter www.reiner-lemoine-stiftung.de

Quelle: Reiner Lemoine Stiftung
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