| Artikel vom 12.03.2009, Druckdatum 09.06.2026 | |
Solarenergie für NicaraguaSeit 2002 beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler am Johann-Rist-Gymnasium (Wedel) im Rahmen von Projektkursen äußerst erfolgreich mit dem Thema der technischen Entwicklungshilfe. Bereits vier Fotovoltaik Anlagen konnten durch das Engagement der Gymnasiasten in Lateinamerika aufgebaut werden: In Guatemala wurde beispielsweise eine kleine Dorfgrundschule elektrifiziert, in einer Schule auf den Galápagos-Inseln (Ecuador) konnte durch die Fotovoltaik Anlage ein sehr umweltschädliches Dieselaggregat abgeschaltet werden. Jetzt soll in Nicaragua das Modul „Solarmedicus“ installiert werden. Seit 2002 haben die Schülerinnen und Schüler des Johann-Rist-Gymnasiums insgesamt vier Projekte durchgeführt, die das Ziel hatten, Solaranlagen in entlegenen Regionen Lateinamerikas aufzubauen und damit den Menschen zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen. Neben Guatemala (2002) und Ecuador (2003) wurde 2005 in Honduras die Gesundheitsversorgung einer ländlichen Gemeinde durch ein solarbetriebenes Modul deutlich verbessert. Auch durch das letzte Projekt im Jahr 2007 wurde auf der Insel Ometepe in Nicaragua wieder in einer Gesundheitsstation eine Solaranlage installiert, zusätzlich konnte ein Gebäudetrakt der örtlichen Grundschule elektrifiziert werden. Der große Erfolg der bisherigen Projekte führte dazu, dass sich auch im Schuljahr 2008/09 wieder eine Gruppe mit praktischer und aktiver Entwicklungshilfe beschäftigen wird. Das Ziel wird wie beim letzten Projekt Nicaragua sein. „Dieses Land haben wir aus mehreren Gründen gewählt“, berichtet Lisa Duhm, eine der aktuellen Projekt-Teilnehmerinnen. „Nicaragua ist das ärmste Land Mittelamerikas und auf Hilfe von außen dringend angewiesen. Eigene Anstrengungen, welche die Regierung und die Bevölkerung mit Engagement durchgeführt hatten, wurden 1998 durch den Hurrikan Mitch zunichte gemacht. Die danach geleistete Aufbauarbeit wurde im September 2007 weitgehend zerstört, als durch den Hurrikan Felix ein Großteil der Atlantikküste zerstört wurde.“ Als Zielregion wurde die Autonome Region der Atlantikküste (RAAN) gewählt. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der Universität León (UNAN), deren Studentinnen und Studenten in dieser Region regelmäßig abgelegene Ortschaften betreuen und daher die Bedürfnisse der Menschen vor Ort kennen, soll das konkret zu unterstützende Projekt ausgewählt werden. Sicher ist aber schon jetzt, dass es wieder eine Gesundheitsstation sein soll. In dem gewählten Ort soll das Modul „Solarmedicus“ installiert werden. Dieses Gerät wurde von der Wedeler Ingenieurfirma SET (selected electronic technologies) entwickelt und ist speziell für den Einsatz in peripheren Räumen konzipiert. Der „Solarmedicus“ besteht aus einem stabilen Schrank aus Aluminium und weiteren Elementen: Zentrale Einheit ist ein kleiner Kühlschrank mit einem Fassungsvermögen von zirka 70 Litern, in dem auch ein Gefrierfach integriert ist. Beides ermöglicht die Kühlung von wärmeempfindlichen Medikamenten und Impfstoffen in Regionen, in denen es im Sommer leicht über 40 Grad Celsius warm wird und die sehr abgelegen und verkehrstechnisch schlecht angebunden sind. Sechs Solarpaneele mit einer Kollektorfläche von insgesamt zirka 3 Quadratmeter liefern die notwendige Energie von rund 800W für die Geräte und die Beleuchtung der Station. Lisa Duhm: „In diesen Regionen wird es bereits um 18 Uhr dunkel, und dann ist eine Behandlung von Kranken nur bei Kerzenlicht möglich.“ Weitere Elemente sind die Steuerungseinheit zur Umwandlung der Solarenergie in Wechselstrom, Akkumulatoren für den Strom und ein abschließbares Regalfach zur Aufbewahrung wertvoller medizinischer Geräte. Mit dem Strom soll u.a. auch ein Inhalator betrieben werden, ein wegen der extrem häufig auftretenden Atemwegserkrankungen eminent wichtiges Gerät. Die kompakte, modulare und stabile Bauweise und die Autonomie der Energieversorgung bieten optimale Voraussetzungen für den schnellen Aufbau und den langfristigen und wartungsfreien Einsatz in entlegenen Gebieten. Die Firma SET hat seit Jahren gute Kontakte nach Nicaragua und dort bereits mehrere Solarprojekte betreut. „Somit können wir auf eine gute Hilfsinfrastruktur und Unterstützung bauen, was unsere Arbeit sehr erleichtert und eine nachhaltige Betreuung der Anlage ermöglicht“, erklärt die Schülerin. Das Projekt ist grob in drei Phasen untergliedert: In der jetzigen Vorbereitungsphase geht es darum, sich Kenntnisse über Entwicklungshilfe und das Zielland anzueignen, sich mit den technischen Details von „Solarmedicus“ bekannt zu machen sowie die Reise vorzubereiten und die Finanzierung sicherzustellen. Lisa Duhm: „Die Anlage kostet rund 20.000 Euro, darunter fallen z.B. das Modul mit allen seinen Bestandteilen, die Solarpaneele, der Transport nach und in Nicaragua, Material wie Kabel und Steckdosen u.s.w.“ Die Reise soll im Juni/Juli 2009 erfolgen. Drei Wochen lang wollen die Schülerinnen und Schüler sich dann vor Ort zusammen mit den Medizin-Student/innen der Universität León um den Aufbau des „Solarmedicus“ kümmern. Die geplanten Reisekosten von zirka 1.800 Euro pro Person tragen die Schülerinnen und Schüler selber, so dass die gesammelten Sponsorengelder in vollem Umfang der Bevölkerung von Nicaragua zugute kommen. Nach Rückkehr soll das Projekt evaluiert und die Öffentlichkeit über die getätigten Maßnahmen informiert werden. „Die Erfahrungen aus den früheren Projekten zeigen, dass zum einen die Schülerinnen und Schüler eine nie geahnte Vielfalt an Erfahrungen und Erlebnissen sammeln können, andrerseits – und das ist der wichtigste Aspekt des Projektes – sehen sie, wie man mit ein wenig Engagement die Lebensbedingungen von hilfsbedürftigen Menschen in den abgelegenen Regionen der Erde verbessern kann“, erklärt Dieter Teising, einer der Projekt betreuenden Lehrer. Für weitere Informationen: www.jrg-nicaragua.de . Das Projekt stellt sich außerdem bei den „Wedeler Energietagen“ (Sporthalle des TSV Wedel, Ecke Schulauer Str./Bekstr., 22880 Wedel) vom 21. - 22.03.2009 jeweils von 11.00 bis 18.00 Uhr vor. Wer dieses Projekt – auch mit kleinen und bescheidenen Beiträgen – unterstützen möchte, kann sich an die Organisatoren wenden oder aber Geld unter dem Kennwort NICARAGUA auf diese Sonderkonten überweisen. Eine Spendenquittung wird dann unverzüglich zugesandt. Quelle: Johann-Rist-Gymnasium (Wedel) |