Artikel vom 24.12.2007, Druckdatum 06.12.2019

Strom vom Himmel für Tansania

Lars Velten aus Bad Homburg hat ein Jahr lang in Tansania geholfen, den Zugang der ländlichen Bevölkerung zu erneuerbaren Energien, vor allem zur Fotovoltaik zu erhöhen. Im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) galt es, Marktstrukturen aufzubauen, die nach Abschluss der ersten Projektphase greifen und selbstständig weiterexistieren können. Ein Bericht.

„Ein „ökologisches“ Jahr lang arbeitete ich jetzt im Projekt „Promotion of Renewable Energy in Tansania" (PRET). Ermöglicht wurde mein Einsatz überhaupt erst durch großzügige Sponsoren. Von den kalkulierten rund 10.000 Euro Kosten für den einjährigen Aufenthalt wurde etwa ein Viertel über Bundesmittel finanziert, die Hälfte bezuschusste meine Entsendeorganisation über eigene Spender. Für die restlichen 2.800 Euro baute ich meinen eigenen Sponsorenpool auf. So haben mich u.a. das Fotovoltaiksystemhaus IBC SOLAR AG aus Bad Staffelstein, mein Abiturjahrgang und meine Kirchengemeinde finanziell unterstützt.

Die Deutsch-Tansanische Partnerschaft e.V., in deren Auftrag ich unterwegs war, setzte mich vor Ort im Projekt „PRET“ ein. Dieses Projekt wurde vom tansanischen Ministerium für Mineralien und Energie (MEM) und der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) ins Leben gerufen. Eine Gruppe lokaler Partner - Nichtregierungsorganisationen und Firmen - und zwei deutsche Projektmanager waren mit der Durchführung beauftragt.

Auf der To-Do-List unseres Projektteams standen Vermarktung und Promotionaktivitäten, z.B. die Entwicklung von Werbeflyern oder die Auswahl von Dörfern für Fotovoltaik Präsentationen. So stellten meine Mitstreiter und ich in aufreibender, aber hochinteressanter Arbeit Solarenergie bei Meetings in Dörfern und auf Märkten vor. Für diese Technologie eignen sich in Tansania insbesondere Regionen, in denen ein gewisser Wohlstand vorhanden ist. Dort wirkt auch der wirtschaftliche Nutzen der Technologie optimal, weil Öllampen, Batterien und Generatoren ersetzt werden können.

Durch die Arbeit vor Ort bin ich gegenüber allem, was „AfrikaHelfen-Wollen“ angeht, noch wesentlich skeptischer geworden. Zu oft musste ich zusehen, wie Weiße - vor allem von kleineren Initiativen – in bester Absicht zu helfen versuchten und mit ihren Geschenken und Projekten nur Abhängigkeiten schafften und Empfängermentalität begünstigten.

Wünscht man sich eine Entwicklung hin zu guten Schulen, akzeptabler Gesundheitsversorgung und einer Vielzahl von Möglichkeiten für jeden bei finanzieller Unabhängigkeit, so müsste sich auch die Mentalität der Menschen vor Ort um 180 Grad drehen. Mit dem allzeit gegenwärtigen Abhängigkeitsdenken, Gottvertrauen, geringer Akzeptanz des Neuen, großer Angst vor oder zumindest geringem Interesse an allem Fremden - und sei es nur die acht Kilometer entfernte Stadt - sowie finanzieller Kurzsichtigkeit lässt sich keine erfolgreiche Marktwirtschaft in Tansania etablieren.

Die Projektidee und erst recht das FÖJ, das Freiwillige Ökologische Jahr, sehe ich positiv. Weil beide Aktivitäten, ohne tiefe Eingriffe zu vollziehen und vor allem ohne Geld an jemanden zu verschwenden, Menschen Perspektiven geben. Dabei wird niemand zu seinem Glück gezwungen und es werden keine Abhängigkeiten geschaffen. Letztendlich können doch beide Seiten vom Kulturaustausch nur profitieren.“

Autor: Lars Velten





                                                                 News_V2