Artikel vom 02.07.2007, Druckdatum 01.03.2024

100 Prozent Ökostrom aus dem Schwarzwald

Strom aus Kohle oder Atomkraft sind für sie tabu: Die Elektizitätswerke Schönau (EWS) liefern ausschließlich Ökostrom. Und das seit genau zehn Jahren. Jetzt haben die „Rebellen aus dem Schwarzwald“ den Preis für besonders kreatives Unternehmertum des Deutschen Gründerpreises erhalten. Die Gründung zeige, so die Expertinnen und Experten, dass „es sich lohnt für seine Ziele zu kämpfen und dass sich Durchhaltevermögen am Ende auszahlt.“

Die Erfolgsgeschichte der Elektizitätswerke Schönau fand ihren Anfang im Jahr 1986 nach dem Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl. In der 2.500 Einwohner/innen-Gemeinde Schönau im Kreis Lörrach formierte sich eine Bürger/innen-Initiative (BI), die sich für Energiesparen, eine nachhaltige Stromversorgung und vor allem gegen Atomkraft stark machte. Als wenige Jahre später der Konzessionsvertrag mit dem Stromversorger Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR) zur Verlängerung anstand, machte sich die BI dafür stark, in den neuen Vertrag ökologische Rahmenbedingungen einzubringen. Die KWR lehnten das ab. So entstand die Idee, das Stromnetz zu kaufen.

Allerdings brauchte es dazu erst zwei Bürger/innen-Entscheide. Zum 1. Juli 1997 war es dann soweit: Die „Strom-Rebell/innen“ kauften das Netz. Das Geld kam durch Spenden, direkte Beteiligungen sowie einen von einer alternativen Bank aufgelegten Öko-Fonds zusammen. Die EWS waren damit die erste BI in Deutschland, die ein Stromnetz übernahm. 650 Mitglieder der BI gründeten die Elektizitätswerke Schönau, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, und verkauften zunächst noch KWR Strom allerdings zu ihren Bedingungen. Ursula Sladek, Geschäftsführerin der EWS: „Als erstes haben wir den Grundpreis gesenkt, damit unsere Abnehmer einen Anreiz hatten, Strom zu sparen.“ Die Liberalisierung des deutschen Strommarktes 1998 ermöglichte dann den Umstieg zu einem „sauberen“ Stromlieferanten und den bundesweiten Verkauf des Ökostroms.

„Bis Ende 2005 hatten wir pro Jahr etwa 5.000 neue Kundinnen und Kunden. 2006 waren es 7.800, und alleine von Januar bis Juni 2007 haben wir 10.000 neue Stromabnehmer registriert“, erläutert die EWS-Geschäftsführerin. Insgesamt beliefern die Schwarzwälder mittlerweile bundesweit knapp 50.000 Stromkundinnen und -kunden mit Ökostrom Der Umsatz lag 2006 bei 23 Millionen Euro, für 2007 rechnen die Elektizitätswerke Schönau mit mindestens 28 Millionen Euro. Wurden anfangs 13 Millionen Kilowatt Strom verkauft, wird in diesem Jahr mit 213 Millionen Kilowatt gerechnet.

Da die EWS ihren Strom nur von ökologischen Erzeugern bezieht, werden mit den Einnahmen auch nur diese unterstützt. Zudem zahlt das Unternehmen eine höhere Einspeisevergütung als gesetzlich vorgeschrieben und fördert so die umweltfreundliche Energieerzeugung, etwa mit Solaranlagen oder Blockheizkraftwerken. „Wir wollen Mitnahmeeffekte vermeiden“, so Ursula Sladek. „Deshalb müssen uns die Antragsteller ab dem zweiten installierten Kilowatt Leistung für jedes weitere Kilowatt einen neuen Kunden vermitteln.“ Außerdem halten die EWS über Seminare, Vorträge und andere Aktivitäten einen engen Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden und unterstützen sie beim Energiesparen.

Die überaus gelungene Verknüpfung von ökonomischem Erfolg mit ökologischer sowie sozialer Verantwortung und die starke Kundenorientierung waren auch zentrale Argumente für die Jury des Deutschen Gründerpreises, die die Elektrizitätswerke Schönau mit dem Sonderpreis 2007 auszeichnet. Die Gründung zeige, so die Expertinnen und Experten, dass es sich lohnt für seine Ziele zu kämpfen und dass sich Durchhaltevermögen am Ende auszahlt. „Wir haben uns sehr über die Auszeichnung gefreut“, so Ursula Sladek. „Das ist für uns eine Bestätigung, dass wir als seriöses und professionelles Unternehmen wahrgenommen werden. Außerdem ist ein so renommierter Preis eine positive Öffentlichkeitsarbeit und die ist für uns sehr wichtig.“

Quelle: Deutscher Gründerpreis, EWS
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