Artikel vom 31.05.2007, Druckdatum 06.12.2021

Großbritannien: Ehrgeizige Klimaziele und Wiedereinstieg in Atomenergie

Um der wachsenden Bedeutung gerecht zu werden, die die erneuerbaren Energien zukünftig auch im britischen Energiemix spielen sollen, verabschiedete die Regierung Anfang März die „Climate Change Bill“. Sie sieht vor, die Kohlenstoffdioxidemissionen bis 2020 um 32 Prozent zu reduzieren. Großes Interesse erfuhr deshalb auch die landesweit größte Messe im Bereich der Energiewirtschaft, die „All Energy 2007“, im schottischen Aberdeen. Dort präsentierte die Regierung u.a. das „Energy White Paper“, das neben der Förderung der erneuerbaren Energie auch den britischen Wiedereinstieg in die Atomenergie vorsieht.

Bislang galt Großbritannien nicht unbedingt als Vorzeigeland im Bereich der Erneuerbaren. Solar-Anlagen beispielsweise kosten auf der Insel noch immer einen Gutteil mehr als etwa im Solar-Land Deutschland, Förderprogramme existieren zwar, sind aber meist stark limitiert und bislang eher unzuverlässig, und die Einspeisetarife für den Sonnenstrom sind weit von der wirtschaftlichen Realität entfernt. Ungleich besser als um dieFotovoltaik steht es im Vereinigten Königreich dagegen nur bei der Windenergie und dennoch hat England insgesamt großen Nachholbedarf bei der Förderung alternativer Energien.

Um der wachsenden Bedeutung gerecht zu werden, die die erneuerbaren Energien zukünftig auch im britischen Energiemix spielen werden, verabschiedete die britische Regierung Anfang März die „Climate Change Bill“. Ungläubig und etwas amüsiert verfolgte das europäische Festland in den letzten Wochen den damit verbundenen politischen „Wettstreit“ um die Klimaziele. Forderungen der EU wurden von der Labour-Regierung lautstark als zu gering zurückgewiesen, um gleich darauf von der Opposition noch einmal überboten zu werden. Heraus kam eine mehr als ehrgeizige Verordnung, die vorsieht, bis 2020 eine Reduktion der Kohlenstoffdioxidemissionen um 32 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu erreichen. Bis 2050 sollen die CO2-Emmissionen dann noch einmal um weitere 28 Prozent verringert werden. 

Vor diesem Hintergrund wundert es wenig, dass auch die landesweit größte Messe im Bereich der Energiewirtschaft, die „All Energy 2007“, in diesen Tagen auf einer Welle der Begeisterung schwimmt. Rund 4.000 nationale und internationale Gäste – etwa 40 Prozent mehr als noch im Vorjahr – besuchten die zweitägige Messe im schottischen Aberdeen. Die „All Energy“ ist bereits seit sieben Jahren die größte Ausstellung im Bereich erneuerbare Energien in Großbritannien. Waren es 2006 noch 220 Aussteller, präsentierten sich in diesem Jahr schon über 350 nationale und internationale Firmen aus dem Energiesektor.

Judith Pattan, Projektmanagerin der All-Energy, war mit dem Ausgang der Messe sehr zufrieden. „Das Feedback der Aussteller und Besucher war insgesamt sehr positiv“, so Pattan gegenüber EuPD Europressedienst. Auch David Rodger, Kommunikationsbeauftragter der Aberdeen Renewable Energy Group, zog ein positives Fazit. „Das Interesse in erneuerbare Energien ist eindeutig gewachsen und für die Industrie wird eine solche Bühne, wie sie sie mit der All Energy bekommt, immer wichtiger.“ Ein Schwerpunkt der Messe lag auch in diesem Jahr wieder im Bereich der Windkraft, aber auch Unternehmen aus dem Solar-Sektor, wie zum Beispiel Solar Power Scotland und die Solar Trade Association, waren auf der Konferenz vertreten. 

Zeitgleich mit der Messe in Aberdeen präsentierte die Regierung in London das „Energy White Paper“. Das Energieweißbuch bündelt Maßnahmen zur Energiestrategie in den Bereichen Atom, Stromsparen und erneuerbare Energien. Demnach soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der britischen Stromproduktion bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent gesteigert werden, was angesichts der Marktentwicklung der vergangenen Jahre ein hochgestecktes Ziel ist. Im Fotovoltaik Bereich lag der jährliche Zubau der Solaranlagen gerade mal bei 2,7 Megawatt im Jahr 2006, der Anteil der Solarenergie an der Gesamtstromerzeugung lag 2005 bei 0,002 Prozent.

Auch Wasserkraft (0,4 Prozent) und Windkraft (0,3 Prozent) machten 2005 nur einen kleinen Teil an der Gesamt-Stromproduktion aus. Der Chef der schottischen Regionalregierung Jack McConnell verweist in diesem Zusammenhang auf die günstigen Standortbedingungen der Insel. Bereits im vergangenen Sommer wurde in der schottischen Nordsee die erste Offshore-Windenergieanlage rund 25 km von der Küste entfernt in 44 Meter Wassertiefe erfolgreich installiert. Eine zweite Anlage soll je nach Wetterbedingungen im Juli 2007 errichtet werden.

Neben der Förderung der erneuerbaren Energie, sieht das Weißbuch aber auch den britischen Wiedereinstieg in die Atomenergie vor. „Ich bin der festen Ansicht, dass Atomkraft ein Teil unseres Energiemixes bleiben muss“, sagte der britische Wirtschaftsminister Alistair Darling, betonte im Rahmen der All Energy aber auch Englands Bemühungen den Sektor der erneuerbaren Energien voranzubringen. „Unser Ziel ist, die erneuerbaren Energien bis 2020 mit einem Anteil von 20 Prozent in das britische Stromnetz einzubinden“, so Alistair Darling. Ohne Nuklearenergie seien jedoch seiner Ansicht nach die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. 

Mit massivem Widerstand muss die britische Regierung dabei jedoch von Seiten Schottlands rechnen – dem Gastgeberland der All Energy. Die neue nationalistisch geführte Regierung Schottlands, über die im kommenden Jahr abgestimmt wird, plant bereits den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie.

Quelle: EuPD Europressedienst

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